Mehr Schutz vor Fluglärm! Nachtruhe ist ein Grundrecht! (Bericht im PDF-Format)

Weitere erhebliche Zunahme des Nachtflugverkehrs in Langenhagen in der Zeit von 2014 bis 2016

Bilanz eines „Dialogs“ mit dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr(MW)

Die Bürgerinitiativen gegen Fluglärm  Region Hannover,(BIs) bestehend aus der BIGUM Garbsen, der Interessengemeinschaft Lärmschutz Südbahn Langenhagen und dem Umweltschutzverein in Isernhagen und Umgebung, haben in der Zeit von 2014—2017 einen intensiven Dialog mit dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (MW) geführt.

Im September 2013 wandten sich die BIs mit einem „Offenen Brief“, (unterzeichnet von 6 BIs, 8 Grünen Verbänden, 4 SPD-Verbänden, 6 Bürgermeistern, Landtags- und Bundestagsabgeordneten) an die neu gewählte rot/grüne Landesregierung, um an die Umsetzung der im Wahlkampf und der Koalitionsvereinbarung versprochenen Verbesserungen zum Lärmschutz (besonders hinsichtlich des Fluglärms) zu erinnern.

Minister Lies versprach, hierzu mit den BIs eine Diskussionsgruppe einzurichten und nicht nur den Dialog mit den Anwohnergruppen fortzusetzen, sondern man wolle daran arbeiten, dass die Nachtflugbelastung in keinem Fall erhöht werde. Zudem würden alle Nachtflüge auf ihre Notwendigkeit überprüft. Unter Umständen könne auch bei der Gebührenstaffelung der Landeentgelte nachgesteuert werden. „Für besondere Belastungen können auch besondere Gebühren erhoben werden“, sagte Lies (Zitat NHZ 12.9.2013).

Die Gesprächsrunde unter Leitung von Frau Staatssekretärin Behrens wurde ins Leben gerufen und hat seitdem insgesamt 9mal getagt. Grundlage der Diskussion war, die Möglichkeiten des politischen Handelns zur Umsetzung der Wahlaussagen der neu gewählten Koalition auszuloten.

Unter der Leitung einer Moderatorin einigte man sich zu Beginn (Januar 2015) auf insgesamt 11 Punkte , die gemeinsam diskutiert werden sollten: U.a. konkrete Umsetzung des Koalitionsvertrages, Entwicklung der Nachtflüge, Passiver Schallschutz, Einführung einer Clearingstelle, Veränderbarkeit der Genehmigungslage im Vergleich mit anderen Flughäfen, Rolle und Auftrag der Fluglärmschutzkommission, Novellierung des Fluglärmschutzgesetzes, Kommunikation des Lärmmonitorings, NORAH-Studie, Umsetzung und Auswirkung der im Jahr 2014 in Kraft tretenden Start- und Landegebühren etc.

Ende des Jahres 2016  ergab sich folgendes Bild: Die Gespräche erwiesen sich als äußerst schwierig. In keinem der zu Anfang der Gespräche auf der Agenda stehenden Diskussionspunkte konnte,  soweit sie überhaupt zur Sprache kamen, ein Konsens, geschweige denn eine Verbesserung der jeweils beanstandeten Situation, erzielt werden (die Moderatorin hatte inzwischen wegen Unvereinbarkeit der Standpunkte aufgegeben ).

Hinsichtlich der Nachtflüge zeigte sich in diesem Zeitraum eine deutliche Verschiebung von leiseren zu lauteren Flugzeugen – außerdem nahm die Anzahl der Nachtflüge im Jahre 2015 nicht wie geplant ab, sondern um insgesamt 1000 zu (im Jahre 2016 um weitere 711).        Die vom Ministerium angestrebte Steuerung (Reduzierung) der Nachtflugtätigkeit mit Hilfe erhöhter Start- und Landegebühren erwies sich  als unwirksam – kein Wunder, bei mal eben 65,00 bis 80,00 € Gebühr pro gängige Touristemmaschine pro Start und Landung (rechnen Sie das bitte mal auf die „Belastung pro Passagier“ um). Die zu Anfang angekündigte Veröffentlichung der Monitoring-Ergebnisse wurde dann auch geflissentlich unterlassen. Der Versuch, eine gemeinsame Presseerklärung zum Thema Landeentgelte herauszugeben, scheiterte ebenfalls an der Unvereinbarkeit der Standpunkte. Immerhin wollte man von Seiten des Ministeriums 'nachbessern'.

Eine anfangs bei den Treffen  von Frau Staatssekretärin Behrens in Aussicht gestellte Arbeitsgruppe zur Vereinfachung des derzeit höchst komplizierten Antragsverfahrens auf passive Lärmschutzmaßnahmen ließ auf Verbesserungen hoffen. Allerdings resümiert das MW letztlich z.B. „…Zweck der von den Bürgerinitiativen gewünschten Clearingstelle scheint es jedoch zu sein, einseitig zu Gunsten der Antragsteller auf die Verwaltungsverfahren Einfluss nehmen zu können“ und „Es ist nicht erkennbar, wie die Einführung einer Clearingstelle das Verfahren verbessern könnte“.

Diese Ausführungen des MW zur Umsetzung des Schallschutzprogramms verwundern umso mehr, als ausdrücklich von allen Beteiligten die Rechtmäßigkeit des Programms nicht angezweifelt wurde. Es ging um eine Hilfe für die Anlieger , sich durch das schwierige bürokratische Antragsverfahren zu arbeiten (im Sinne von mehr Bürgerfreundlichkeit der Verwaltung). Aufgabe des MW scheint es nach diesen Ausführungen nach Ansicht der BIs eher zu sein, „einseitig Vorschriften zu Gunsten des Flughafens“ zu bearbeiten.

Auch alle anderen Dialogpunkte, sofern sie überhaupt zur Sprache kamen, wurden vom MW negativ kommentiert.

Nach dieser Bilanz entstehen bei der BI erhebliche Zweifel an der beabsichtigten Zielsetzung des „Dialogs“ . Nach fast drei Jahren ergab sich in keinem der Diskussionspunkte nach Analyse und anschließender Bewertung ein nach Ansicht der BI positives Ergebnis. Eine Verbesserung der Situation wurde in allen bisher überhaupt diskutierten Punkten ablehnend beschieden, zumeist mit der Begründung, dass man sich gesetzeskonform verhalte. Nach Aussage des MW  ist alles „ausreichend im Sinne der gesetzlichen Vorgaben geregelt“ und ein Entgegenkommen im Sinne einer bürgernahen Verwaltung nicht erforderlich und nicht geplant.

Es stellt sich die Frage:

Wenn man so sicher ist, dass alles im Rahmen des Gesetzes geregelt ist, warum sollte man dann noch einen 'Bürgerdialog' anstreben? - Es entsteht die Vermutung, dass der Bürgerdialog nur als Feigenblatt für die nicht gehaltenen Versprechungen in den Koalitionsvereinbarungen dient.

Deshalb entschloss sich die BI, dem Ministerium mit Schreiben vom 23.März 2017, mitzuteilen, dass man angesichts der Haltung des MW die weitere Fortführung des Dialogs in dieser Form als nicht mehr erfolgversprechend erachtet. Eine Antwort auf dieses Schreiben gab es nicht.

Erika Becker - Schriftführerin und für dem Umweltschutzverein Teilnehmerin an der Dialogrunde

 
Bericht dazu in der HAZ vom 06.05.2017:
HAZ vom 06-05-2017
 
Im Anschluss frühere Bericht aus der Presse:  

Die Fluglärmbeschwerden aus Altwarmbüchen häufen sich: Die Nordhannoversche Zeitung vom 04.11.2014 fragt: Tut sich da etwas am Himmel?

 
Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 03.07.2013:    
 

 

Nordhannoversche Zeitung Überreichung der Nachtflug-Petition vor dem Landtag am 15.05.2013 Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 16.5.2013
Auf den Stufen des Landtags (von links):
Thomas Paterjey (HAZ), Rainer Fredermann (CDU), Almuth Peters-Bröking (Umweltschutzverein), Ilona Bremer (Umweltschutzverein), Hans-Jürgen Beck (BÜNDNIS 90 DIE GRÜNEN, Isernhagen), Heidrun Lemke (BÜNDNIS 90 DIE GRÜNEN, Isernhagen), Ellen Scholz (Umweltschutzverein), Holger Zenz (Sprecher der Interessengemeinschaft Lärmschutz Südbahn, Langenhagen)
Überreichung der Petition an Sabine Tippelt (Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses, SPD) von Holger Zenz und Siegfried Lemke (Isernhagener BI für einen gesunden Nachtschlaf)
Gruppenbild mit Petition: Fotograf (HAZ), Holger Zenz (halb verdeckt), Heidrun Lemke, Sabine Tippelt, Siegfried Lemke, Ilona Bremer, Ellen Scholz, Almuth Peters-Bröking
     

Fluglärm bleibt Dauerthema!

Fluglärm bleibt ein Dauerthema. Das Ziel, ein Nachtflugverbot zu erreichen, sollte oberste Priorität haben!

Fast eine ganze Seite widmet die Nordhannoversche Zeitung am 21. Nov. 2012 dem Bericht zum "Krisengipfel Fluglärm im Isernhagener Rathaus".

Der Vorsitzende des Umweltschutzvereins war dabei und schreibt anschließend an die Umweltbeauftragte der Gemeinde Isernhagen, Frau Freytag, die auch für den Lärmschutz zuständig ist.

Sehr geehrte Frau Freytag!

Bei der obigen Veranstaltung konnte man doch erkennen, dass das Thema viele Bürger der Gemeinde interessiert. Somit war die Veranstaltung gut und wichtig.

Herr Grabowski von der Fluglärmkommission erklärte, wann – wo – wie – warum und wie laut der Fluglärm auftritt. Offensichtlich kann die Kommission trotz ihrer Bezeichnung die Bürger nicht vor Fluglärm schützen. Herr Grabowski vermittelte uns die “heile Welt” am Flughafen Langenhagen. Zu laute Flieger werden gemittelt und fallen dann unter die Schallgrenze von 65 Dezibel am Tag und 55 Dezibel in der Nacht. Das Jansen-Kriterium wird nicht kritisiert, wonach es zumutbar ist, 6 mal in der Nacht aufgeweckt zu werden. Es geht doch nicht um einen Dauerschallpegel, sondern um die Lärmstärke einzelner Flugereignisse. Wissenschaftler haben festgestellt, dass schon ab 45 Dezibel Gesundheitsschädigungen auftreten können.

Herr Thomas als Lärmschutzbeauftragter des Flughafens erklärte, er könne gut mit Menschen umgehen. Seine Rhetorik ohne Punkt und Komma war schon gekonnt. Es wurde so viel leeres Stroh gedroschen, dass die Menschen den Raum verließen. Nur fünf hartnäckige Mitglieder des Umweltschutzvereins waren noch anwesend. Um eine Frage zu stellen, musste man unhöflich sein und den Redefluss unterbrechen.

So kann man auch eine Veranstaltung “über die Runden” bringen.

Die Menschen gingen frustriert nach Hause und nahmen den Eindruck mit, dass sich nichts ändern wird.

Wir erwarten von der Kommission konkrete Forderungen zum aktiven Schallschutz, wie zum Beispiel Nachtflugverbot, damit sich auch am Langenhagener Flughafen etwas zum Positiven verändert.

Bei dieser Veranstaltung hatte man den Eindruck, dass die Vortragenden zu sehr die derzeit herrschenden Zustände tolerieren und dabei ihre eigentliche Aufgabe, nämlich den Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm, aus dem Auge verlieren.

Umweltschutzverein in Isernhagen und Umgebung e.V.

Dietmar Sommerfeld

 

Presseecho zum Thema Fluglärm:

Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 21-11-2012:  Fluglärm: Kaum einer beschwert sich
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 18.08.2011:
Umweltschutzverein kritisiert CDU und FDP

Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 30.10.2010:
Gemeinde will weiter kämpfen

Leserbrief in der Nordhannoverschen Zeitung vom 18.08.2010:
Fluglärm: Viele haben schon resigniert

Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 07.08.2010: 5182 Beschwerden gegen Lärm

Ganzseitiger Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 09.06.2010:
Fluglärm und seine Folgen:
Die Städte kritisieren das Ministerium
Fluglotsen schlagen verbesserte Routen vor
Airport will die Südbahn öffnen
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 02.06.2010: Fluglärm: Bürgerinitiative sieht diverse Fehler
Berichte zur Auflösung
der Bürgerinitiative (BI) Langenhagen-Krähenwinkel (Nordhannoversche Zeitung vom 29.05.2010 und 02.06.2010 und Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 29.05.2010)
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 05.05.2010: Isernhagener kämpfen gegen Fluglärm
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 04.05.2010:
Langer Weg zum Lärmschutz
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 03.03.2010:
Arzt bestätigt die Erfahrungen
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 03.03.2010: Greiser empfiehlt Vernetzung

Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 19.04.2010: Die Lärmschutzzonen passen nicht perfekt
Bericht in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 13.03.2010: Aus für Bürgerinitiative gegen Fluglärm
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 12.03.2010:
Murath: Ich bin gescheitert

Bericht im Spiegel (Nr. 51/2009, 14.12.2009: Tödlicher Lärm
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom
30.11.2009: Der Aufschwung kommt 2011
Leserbrief dazu (von Dietmar Sommerfeld) in der Nordhannoverschen Zeitung vom 04.12.2009: Anwohner werden nicht berücksichtigt
Bericht in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 08.08.2009: Weil: Kein Lärmschutzbedarf
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom
05.08.2009: Fluglärm: Entscheidung nach einer Anhörung treffen
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom
21.07.2009: Gegner des Nachtflugs im Aufwind
Leserbrief zu dem Bericht "Streit um Fluglärm spitzt sich zu"  der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 02.07.2009: Zu viele Nachtflüge

Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 25.06.2009: Bundesverfassungsgericht soll vor Fluglärm schützen
Bericht in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 24.06.2009: Streit um Fluglärm spitzt sich zu
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom
24.06.2009: Rat stimmt für weniger Lärm
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom
22.06.2009: Rat befasst sich mit Fluglärm
Kommentar in der Nordhannoverschen Zeitung vom
04.06.2009: Gesundheitsschutz: Nachts muss Ruhe herrschen

Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 29.05.2009: Gremium verschärft Stellungnahme

Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 27.05.2009: Verein übt scharfe Kritik am Entwurf des Ministeriums

 

Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 21. November 2012
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 18.08.2011
Umweltschutzverein kritisiert CDU und FDP
Aussagen über Fluglärm sorgen für Unmut - Rat will Nachtflugverbot
VON THOMAS TSCHÖRNER
ISERNHAGEN. Mit den Antworten der politischen Parteien zur Frage "Was kann Isernhagen gegen Verkehrs- und Fluglärm machen?" in der Nordhannoverschen Zeitung ist der Umweltschutzverein in Isernhagen nur bedingt zufrieden. Die Äußerungen der Parteien zur Kommunalwahl könne der Verein, was die Absichtserklärungen der CDU und FDP betrifft, nicht unkommentiert stehen lassen, teilt Schriftwartin Erika Becker mit.
Der nächtliche Fluglärm und die Möglichkeit, diesen zu bekämpfen, etwa mit einem Nachtflugverbot, sei ein Dauerthema beim Umwelt- schutzverein. Es sei schön zu hören, dass sich die CDU in der Fluglärmkommission des Themas annehme. Allerdings sei die Partei in dem Gremium nicht vertreten, sondern die jeweiligen Anrainerkommunen, also auch die Gemeinde Isernhagen. Becker verweist darauf, dass sich der Rat für ein Nachtflugverbot ausgesprochen hat. Für eine Ungereimtheit hält es der Verein, dass Isernhagens CDU-Landtagsabgeordneter Emil Brockstedt 2009 für die Verlängerung der Nachtflugerlaubnis gestimmt habe.
Dies gelte auch für Claus Hogrefe (FDP), der vage fordere, den Nachtflugverkehr "auf das Nötigste" zu beschränken". Die Aussagen von Brockstedt und Hogrefe ließen große Zweifel an deren Fürsorge für die Bürger aufkommen, zumindest was das Thema Fluglärm angehe. SPD und Grüne seien für ein Nachtflugverbot. "Die linke weiß von nichts, aber das sind wenigstens klare Worte", kommentiert der Umweltschutzverein.
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 30.10.2010:
Gemeinde will weiter kämpfen
Zwei Verfahren: Landesraumordnungsprogramm und Nachtflugregelung auf Prüfstand
Die Gemeinde Isernhagen prüft derzeit zwei Verfahren: Die Kommune wehrt sich gegen die neue Nachtflugregelung des Flughafens und das Landesraumordnungsprogramm (LROP).
VON THOMAS TSCHÖRNER
ALTWARMBÜCHEN. Gegen die sogenannten Siedlungsbeschränkungsbereiche des LROP, die für K.B., N.B. und H.B. den Bau von Wohnhäusern nur noch auf etwa sieben Hektar zulassen, hatte die Gemeinde ein Normenkontrollverfahren vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) eingeleitet. Mit ihrer Klage scheiterte die Kommune jedoch. Das OVG hatte zwar eine Revision beim Bundesgerichtshof nicht zugelassen, dagegen kann die Gemeinde aber noch Beschwerde einlegen.
Die Frist für die Beschwerde läuft jedoch bereits am 12. November ab. Weil die Urteilsbegründung nicht mehr rechtzeitig vor der jüngsten Ratssitzung am Donnerstagabend von den Fraktionen beraten werden konnte, hat der Rat auf Vorschlag von Bürgermeister Arpad Bogya einstimmig beschlossen, die Entscheidung an den Verwaltungsausschuss (VA) zu delegieren.
Der VA, der die Arbeit des Rates vorbereitet und bestimmte Entscheidungen in Eigenregie treffen kann, soll auch über eine Klage zur am 1. Januar in Kraft getretenen Nachtflugregelung des Flughafens entscheiden. Durch beides – Siedlungsbeschränkung des LROP und Nachtflugregelung – sieht die Gemeinde ihre Planungshoheit zugunsten des Flughafens eingeschränkt. Zwar seien die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision im Normenkontrollverfahren gegen das LROP und die Klage gegen die Nachtflugregelung zwei juristisch voneinander unabhängig zu führende Verfahren, betont die Verwaltung. Die einheitliche Behandlung könne jedoch eine grundsätzliche Verstärkung der Position der Gemeinde Isernhagen gegenüber dem Flughafen Langenhagen bewirken.
Das Kostenrisiko im Falle eines Scheiterns kalkuliert die Gemeinde mit 6000 Euro für das Beschwerdeverfahren und mit 9000 Euro für die Klage gegen die Nachtflugregelung, gegen die bereits ein Bürger klagt.
Leserbrief in der Nordhannoverschen Zeitung vom 18.08.2010:
Fluglärm: Viele haben schon resigniert
Zum Bericht „5182 Beschwerden gegen Lärm“ in der Nordhannoverschen Zeitung vom 7. August:
Am Flughafen Langenhagen werden akribisch die Beschwerden gezählt und daraus Rückschlüsse gezogen. Auch ich habe lange Beschwerden über zu laute Flugzeuge geschrieben. Danach bekam ich immer einen freundlichen Brief, in dem mir mitgeteilt wurde, um welche Maschinen es sich handelte. Geändert hat sich aber nichts.
Diese „Beruhigungspolitik“ brauche ich nicht und habe somit meine Beschwerden eingestellt. Ich glaube, dass viele Menschen – so wie ich – resigniert haben. Die Nachtflüge nehmen zu und stören jede Nacht. Diese Rücksichtslosigkeit versucht der Flughafen mit Freundlichkeit zu verharmlosen.
Dietmar Sommerfeld, Isernhagen
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 07.08.2010:
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 09.06.2010
Fluglärm und seine Folgen
Die Städte kritisieren das Ministerium
Stellungnahmen zum Fluglärmgesetz werfen Behörde „dürftige“ Karten und „getäuschte Wahrnehmung“ vor
Die drei Anliegerkommunen des Flughafens – Langenhagen, Garbsen und Isernhagen – haben das Land anlässlich des neuen Fluglärmgesetzes heftig kritisiert. In vielerlei Hinsicht seien Belange der Kommunen übergangen worden.
VON REBEKKA NEANDER
Region. Die Kritik der Kommunen konzentriert sich auf drei Aspekte: Für das Beteiligungsverfahren an der Rechtsverordnung der neuen Lärmschutzzonen sei den Kommunen und Verbänden ein schier unüberblickbares Datenpaket vorgesetzt worden – allerdings mit vielen widersprüchlichen Zahlenkolonnen und auf Basis von viel zu „dürftigen“ Karten mit einem Maßstab, der ein parzellengenaues Ablesen unmöglich mache. Trotz mehrfacher Aufforderung habe das zuständige Umweltministerium bis heute keine größeren Karten zur Verfügung gestellt. Überdies seien die Darstellungen vollkommen veraltet. Das Baugebiet Weiherfeld ist darauf nicht existent. Langenhagens Stadtbaurat Carsten Hettwer spricht deshalb in seinem Schreiben von getäuschter Wahrnehmung. Die Bitte aller drei Kommunen um Fristverlängerung um einen Monat bis zum 30. Juni, um besseres Material zu erlangen, hatte das Land abgelehnt. Zweiter Kritikpunkt ist die Verlagerung der Zuständigkeit für künftige Anträge auf Schallschutz zulasten der Kommunen. Innerhalb des derzeitigen freiwilligen Schallschutzprogramms ist der Flughafen Antragspartner für die Anwohner. Künftig soll diese Aufgabe die jeweils zuständige Baubehörde übernehmen (im Fall Isernhagens ist dies die Region Hannover). Doch die Verwaltungsmitarbeiter wurden dafür bislang nicht geschult. Auch seien viele Verfahrensfragen wie zur Gutachterwahl in Streitfällen nicht beantwortet. Den Kommunen entstünden hohe Kosten für diese Aufgabe, die weder durch den Antragsteller noch durch das Land gedeckt würden. Gewusst haben die Kommunen davon zwar bereits im Laufe des vergangenen Jahres (informiert wurden sie seinerzeit eher am Rande durch den Flughafen), interner Protest dagegen verhallte jedoch ohne Reaktion. Der letzte Vorstoß gilt den betroffenen Wohngebieten wegen der aufgrund neuer Rechnungsmodelle vergrößerten Lärmschutzzonen. Der damit verbundene Schallschutz, auf den die Anwohner dann rechtlichen Anspruch haben, wird im Niveau zwar geringer ausfallen. Gleichzeitig aber berühren die in der Fläche größeren Zonen die Baurechte der darin befindlichen Gebäude. Landwirtschaftliche Höfe können laut Hettwer zu Wohnzwecken umgenutzt werden. Garbsen spricht angesichts der jetzt übermittelten Daten zum „angepeilten Wachstum des Flughafens“ von „Enteignung vieler Anlieger“. Offenbar habe das Umweltministerium die Beteiligung der Kommunen lediglich als „notwendiges Übel“ angesehen.
 
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 09.06.2010
Fluglotsen schlagen verbesserte Routen vor
Kommission debattiert außerdem über die Lärmentwicklung und das künftige Schallschutzprogramm
von rebekka neander
Die Deutsche Flugsicherung (DFS) wird zwei Abflugrouten verändern und damit sowohl den Kerosinverbrauch als auch die Lärmbelastung durch die Maschinen verringern. Darüber hat jetzt die DFS die Fluglärmkommission informiert. So wird die Abflugroute in westlicher Richtung von der Nordbahn künftig ein Stück länger geradeaus geführt, um rund zehn Kilometer westlich von Hannover auf die Abfluglinie der Südbahn zu münden. In Richtung Osten steuern die Maschinen künftig statt des Knotenpunktes Leine nun den Punkt Povel südöstlich von Wolfsburg an. Dies bedeutet, dass die Flugzeuge hinter Isernhagen keinen Zickzackkurs, sondern direkt Richtung Wolfsburg fliegen. Nach Auskunft des Verfahrensplaners Jörg-Hinnerk Baerens bei der DFS in Bremen basieren diese leichten Veränderungen auf Vorstößen von Fluglotsen, die anhand ihrer Alltagserfahrung derlei Glättung für angezeigt halten. Ein weiteres Thema der Sitzung war die Lärmentwicklung und vor diesem Hintergrund auch das anstehende Fluglärmgesetz. Zwar sind die Beschwerden über Fluglärm analog zur sinkenden Zahl der Flugbewegungen zurückgegangen. Allerdings habe die Zahl der sich äußernden Kommunen zugenommen. Die Umfeldbeauftragte des Flughafens, Stefanie Vehling, gab gestern auf Nachfrage zu bedenken, dass Kommunen in ihren Bebauungsplänen vielleicht auf die zu erwartende Fluglärmbelastung hinweisen sollten, damit Neubürger keine Überraschung erlebten. Auch sollten Kommunen bei der Ausweisung in der Nachbarschaft des Flughafens überlegen, ob ein solcher Standort wirklich für die Stadtentwicklung notwendig sei. Mit Bedauern hat die Kommission zur Kenntnis genommen, dass die Landesregierung die Bitte um einen zentralen Ansprechpartner für das neue Fluglärmgesetz verneint hat. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern sind in Niedersachsen drei Ministerien für die Umsetzung der neuen Regelung zuständig. So ist für die genaue Abwicklung der künftigen Anträge auf Schallschutz das Sozialministerium zuständig, für die Lärmschutzzonen hingegen das Umweltministerium. Für den Flughafen generell übernimmt das Wirtschaftsministerium die Verantwortung. Eine Durchführungsverordnung für die Kommunen als künftig zuständige Antragsbehörde hat das Sozialministerium allerdings noch nicht vorgelegt.
 
Warten auf Beschluss
Airport will die Südbahn öffnen
Zur derzeit eigentlich nachts gesperrten Südbahn erklärte die Umfeldbeauftragte des Flughafens, Stefanie Vehling, gestern, dass sie beim Wirtschaftsministerium die Freigabe der Bahn beantragen werde, sobald die neuen Lärmschutzzonen vom Kabinett bewilligt wurden. Zwar beginne erst damit der Rechtsanspruch auf Schallschutz. Durch das freiwillige und offenbar höherwertige Schallschutzprogramm des Flughafens hätten die Anwohner jedoch bereits ausreichend Zeit gehabt, ihre Ansprüche geltend zu machen. Tatsächlich erfolgt bis zum 23. Juni der gesamte Flugverkehr über die Südbahn, da die Nordbahn wegen Wartungsarbeiten seit der Landung des A 380 vergangenen Donnerstag gesperrt ist. nea
 
Fluglärm: Bürgerinitiative sieht diverse Fehler
Von rebekka neander
Langenhagen/Garbsen. Am Montag war Einsendeschluss: Jetzt muss das Umweltministerium in Hannover über die Stellungnahmen zum neuen Fluglärmgesetz beraten. Langenhagens Bürgerinitiative kritisiert eine fehlerhafte Datenerhebung, die Basis für die neuen Lärmschutzzonen ist. Das Gesetz existiert bereits seit 2007, doch in Kraft treten kann es erst, wenn auch die Rechtsverordnung für die neuen Schallschutzzonen vom Kabinett verabschiedet sind. Dazu konnten betroffene Verbände und Vereine bis Montag schriftlich Stellung nehmen. Sowohl die Bürgerinitiative in Langenhagen als auch jene in Garbsen kritisieren dabei vor allem die Datenerfassung, auf deren Basis die Schutzzonen errechnet wurden. Im Datenerfassungssystem, dem sogenannten DES, seien diverse Fehler bei den Messpunkten vorhanden. Überdies bewerten beide Vereine die Prognosen für die Nutzung der zwei Start- und Landebahnen als fragwürdig. So sollen beispielsweise in der Nacht von der Kurzbahn ausgerechnet die allergrößten Flugzeugtypen starten. Sogar die Windrichtung wird in ihrer Häufigkeit aufgrund von Erfahrungswerten der vergangenen Jahre vorhergesagt. Das Umweltministerium konnte zu diesen Aspekten auf Nachfrage gestern keine klärende Auskunft geben. Unklar ist nach Ansicht der Lärmgegner auch, ob in die Prognose des Umweltministeriums zur Entwicklung des Verkehrsaufkommens auch das World Cargo Center eingeflossen ist, mit dessen Bau im nächsten Jahr begonnen werden soll. Und wie weit berücksichtigt worden ist, dass die Südbahn seit Langem nachts gesperrt ist. Grundsätzliche Kritik übt die Langenhagener Bürgerinitiative auch an den in der Verordnung genannten zumutbaren Schallgrenzen. Die BI beruft sich dabei auf Untersuchungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), das durch eine Studie zum Aufwachverhalten bei Fluglärm Schwachstellen der bisherigen Grenzwertermittlung aufgezeigt hat.
 
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 02.06.2010
Murath tritt ab – und wieder an
Seit Montagabend ist die Bürgerinitiative (BI) Langenhagen-Krähenwinkel Geschichte: Nach 15 Jahren Kampf gegen Fluglärm hat sich der Verein aufgelöst. Die Vorsitzende Frauke Murath will sich nun innerhalb der Garbsener BI engagieren. Doch ihrem Aufruf an die Mitglieder, es ihr gleichzutun, wollten nur wenige spontan folgen.
Von Rebekka Neander
Krähenwinkel. „Ich weine nicht, und ich gehe nicht mit Bitterkeit.“ Im Kampf gegen den Lärm in Langenhagen will Murath ebenfalls nicht kapitulieren. Nur an vorderster Front will die 72-jährige Krähenwinkelerin nach 15 Jahren nicht mehr marschieren. Ihr unbestrittenes Fachwissen um Lärm und seine Ursachen will sie nun in den Dienst der Bürgerinitiative Garbsen und Umgebung (Bigum) stellen. Anfang März hatte der Vorstand der Langenhagener BI seinen Mitgliedern mitgeteilt, er stünde für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung. Sofern sich keine Nachfolger fänden, sei ein Ende des Vereins unausweichlich. Schon damals favorisierte Murath ausdrücklich einen Anschluss an die Mitstreiter aus dem benachbarten Garbsen, mit denen sich der Verein ohnehin in der Vergangenheit häufig ausgetauscht und bei Aktionen abgestimmt hatte. In Vorbereitung der Vereinsauflösung hat der BI-Vorstand bereits mit 6000 Euro den Löwenanteil des Vereinsvermögens zweckgebunden an die Garbenser Bigum gespendet. Dennoch wollten am Montagabend im Dorfgemeinschaftshaus Krähenwinkel nur wenige Mitglieder spontan die Beitrittserklärungen der Bigum unterschreiben, die deren Vorsitzender Hans-Peter Wendorff schon einmal mitgebracht hatte. Allerdings hatte Wendorff selbst ein wenig auf die Bremse getreten. „Wir können aus Garbsen keinen Druck auf Langenhagens Politik machen. Das müssen die Langenhagener schon selbst tun“, sagte er. Wendorff bedauerte zudem, dass es in Langenhagen nicht gelungen sei, die Leidtragenden der Nord- und der Südbahn des Flughafens vereinen zu können. Sein Appell, hier einen Zusammenschluss zu forcieren, erntete allgemeine Zustimmung. Murath ließ sich von all dem nicht sonderlich beeindrucken. Sie kündigte nicht nur ihren Beitritt in Garbsen an, sondern sogleich auch ihre Bereitschaft, sich dort um die Einrichtung von Arbeitsgruppen zu kümmern, um den Druck in den verschiedenen Kommunen aufrechtzuerhalten. Nicht jeder müsse sich schließlich um alles kümmern.
Es braucht mehr als Lippenbekenntnisse
Natürlich haben sie Frauke Murath vorgestern gedankt: Die Bürgerinitiative Langenhagen wäre heute nichts ohne sie, und die Mitglieder wissen das – sagen sie jedenfalls. Schade, dass sich trotzdem nur wenige überwinden konnten, mit dem Beitritt zur Garbsener Initiative Murath mehr als nur per Lippenbekenntnis den Dank zu zollen, den sie verdient. Eine bessere Unterstützung als unter dem Garbsener Dach können die Langenhagener derzeit nicht haben. Es sei denn, sie stellen sich selbst in die erste Reihe. Doch dann hätte der Langenhagener Verein nicht aufgelöst werden müssen.
Krähenwinkeler Lärm-BI löst sich am Montag auf
Krähenwinkel. Die Bürgerinitiative Krähenwinkel gegen nächtlichen Fluglärm wird am Montag, 31. Mai, per Mitgliederbeschluss aufgelöst und schließt sich der Bürgerinitiative in Garbsen an. Die Versammlung im Dorfgemeinschaftshaus in Krähenwinkel, Auf dem Moorhofe 6, beginnt um 19 Uhr. Im Kern geht es um die Verwendung des angesparten Vereinsvermögens. Die BI hatte im Frühjahr ihre Auflösung beschlossen, weil sich niemand als Nachfolge der jahrelangen Vorsitzenden Frauke Murath finden ließ. Als eine der letzten Amtshandlungen wird die BI am Montag noch ihre Stellungnahme zum neuen Fluglärmgesetz beim Landesumweltministerium einreichen. Wegen laut BI noch fehlender Unterlagen hatte die Initiative beim Land eine Fristverlängerung beantragt. Diese war jedoch abgelehnt worden. In der Stellungnahme geht es um die neuen Schallschutzzonen, die als Rechtsverordnung dem eigentlich bereits seit 2007 gültigen Fluglärmgesetz angefügt werden müssen. Dazu bedarf es nach dem Beteiligungsverfahren für die Verbände jetzt noch eines Kabinettsbeschlusses.nea
29.05.2010 / LKNZ Seite 7 Ressort: LANG
Initiative löst sich auf
Die Bürgerinitiative gegen Fluglärm im Langenhagener Ortsteil Krähenwinkel löst sich am Montag auf. Der Vorstand um die seit Gründung amtierende Vorsitzende Frauke Murath hatte sich im Frühjahr nicht zur Wiederwahl gestellt; Nachfolger fanden sich nicht. Der Grund ist unter anderem Frust: „Solange die Politik nicht für uns da ist, stehen wir auf verlorenem Posten“, hatte Murath gesagt. Krähenwinkel gehört zu den am stärksten von Fluglärm betroffenen Orten rund um den Airport, weil es unmittelbar in der Einflugschneise der Nordbahn liegt. Die Bürgerinitiative hatte sich vor 15 Jahren zusammengefunden, als in Langenhagen die Zahl der Nachtflüge rasant anstieg. Gleichzeitig formierten sich in Garbsen und Isernhagen weitere Initiativen; alle gemeinsam sind im Arbeitskreis Fluglärm vertreten. Die Bürger wollten vor allem erreichen, dass die Nachtflüge entweder verboten oder zumindest limitiert werden. Dieses Ziel haben sie verfehlt und werden es auch auf absehbare Zeit nur schwerlich erreichen. Anfang des Jahres hatte das niedersächsische Wirtschaftsministerium die Betriebserlaubnis für den Flughafen, die rund um die Uhr Flüge erlaubt, um weitere zehn Jahre verlängert. Die Regelung in Langenhagen zählt in dieser Hinsicht zu den liberalsten bundesweit. Für die unmittelbaren Anwohner hat der Flughafen zwei millionenschwere Programme aufgelegt, mit denen der Einbau von Schallschutzfenstern, Dachdämmungen und Lüftungsanlagen in Häuser finanziert wird. Um die Zonen, in denen die Schallschutzprogramme greifen, geht es auch in einer der letzten Amtshandlungen der Krähenwinkeler Initiative. Sie hält sie für zu klein und reicht eine entsprechende Stellungnahme beim Land ein. Danach werden sich die Mitglieder, die weiterhin aktiv bleiben wollen, der benachbarten Bürgerinitiative in Garbsen anschließen.
29.05.2010 / HAZ Seite 22 Ressort: HANN
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 05.05.2010:
Isernhagener kämpfen gegen Fluglärm
Fluglärm ist in diesem Jahr das Schwerpunktthema des Umweltschutzvereins in Isernhagen und Umgebung. Die Umweltschützer kritisieren vor allem die weiter steigende Zahl von Nachtflügen.
VON THOMAS TSCHÖRNER
ISERNHAGEN. „Wir können es auf die ganz einfache Formel bringen: Nachtflug macht krank“, sagt Dietmar Sommerfeld, der Vorsitzende des Umweltschutzvereins. Während bei der Genehmigung des Flughafens Leipzig eine „Aufwachwahrscheinlichkeit“ von kleiner als eins vorgeschrieben worden sei, müssten die Anwohner des Flughafens in Kauf nehmen, sechsmal pro Nacht wach zu werden, ergänzte Ralf Grunwald. „Und das soll nicht gesundheitsschädlich sein?“ Bis zum 31. Mai kann der Umweltschutzverein seine Stellungnahme zur neuen Betriebsgenehmigung des Flughafens, deren wesentlicher Kritikpunkt für die Umweltschützer die Verlängerung der Nachtflugregelung ist, und zu den neuen Schutzzonen abgeben. „Aber es fehlen noch entscheidende Daten“, sieht sich Grunwald zunehmendem Zeitdruck ausgesetzt. So wird auf der entsprechenden Internetseite über die Festsetzung des Lärmschutzbereiches nur lapidar angemerkt, das Dokumente in Kürze zur Verfügung stünden. Dies betrifft den Bericht zur Ermittlung des Lärmschutzbereiches ebenso wie das Datenerfassungssystem (DES) für das Prognosejahr 2020.

DIE ENTWICKLUNG
2020 gibt es täglich mehr als 60 Nachtflüge

In den sechs verkehrsreichsten Monaten sind im vergangenen Jahr pro Nacht fast 40 Maschinen am Flughafen Langenhagen gestartet oder gelandet. Dies deckt sich weitgehend mit der Prognose, die für das Jahr 2020 bereits mehr als 60 nächtliche Flugbewegungen voraussagt. Die Zahl der Nachtflüge ist ständig gestiegen: Waren es bis 1994 noch weniger als zehn nächtliche Starts und Landungen, so waren es 2000 bereits mehr als 20, im Jahr 2003 schon 30, und für dieses Jahr werden mehr als 40 Nachtflüge erwartet. Die Zahlen hat der Umweltschutzverein aus den Fluglärm-berichten sowie Gutachten zu Nachtflug-regelungen und Landesraumordnungs-programm zusammengestellt. Empört sind die Umweltschützer darüber, dass sich der Flughafen in Sachen Nachtflug bislang nicht kompromissbereit gezeigt hat. tom

Mit Interesse werde auch das Urteil über die Normenkontrollklage der Gemeinde gegen die Ausweitung der Schutzzonen und die Nachtflugregelung erwartet, sagte Almuth Peters-Bröking vom Umweltschutzverein. „Eine Klage gegen die Betriebsgenehmigung steht noch an – es wird hochspannend, wie sie ausgehen wird.“ Es ginge um die Frage, ob der Flughafen seit 1952 überhaupt eine uneingeschränkte Betriebsgenehmigung habe. Aus der am 18. Juli 1951 ausgestellten Lizenz der alliierten Besatzungsbehörde ist diese für die Umweltschützer nicht ableitbar. Der Flughafen verärgere die Anwohner zunehmend, weil er keine Anstalten zur Verringerung der Nachtflüge mache, ist Almuth Peters-Bröking überzeugt. Allein die Ansiedlung der neuen Gesellschaft Germanwings habe 21 zusätzliche Nachtflüge zur Folge, sagt Grunwald. Angegeben worden sei jedoch nur ein nächtlicher Start, die 20 Landungen seien unterschlagen worden. Die Langenhagener Nachbarn würden von ihrer Politik im Stich gelassen, sind die Isernhagener überzeugt. „Es gibt eine Initiative, die die Stadt attraktiver machen soll – nur das, was die Stadt kaputt macht, lassen sie laufen“, sagt Grunwald.
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 04.05.2010:
Langer Weg zum Lärmschutz
Wer sich Schallschutzfenster einbauen lässt, braucht Geduld – Nicht jeder macht mit
Die neuen Schallschutzzonen des Fluglärmgesetzes stehen kurz vor ihrer Veröffentlichung. Wer vorher noch beim Flughafen einen Antrag auf Schallschutz stellt, kann auf den noch höheren Baustandard hoffen – vorausgesetzt, er hat Geduld. Denn das Verfahren ist kein einfaches.
von rebekka neander .
Langenhagen Barbara Meyer hat ein Loch in der Wand. Und es wird noch ein paar Wochen dort bleiben. Gewollt war eigentlich das Gegenteil: Statt der bisher lärmdurchlässigen Fenster sollten in den Schlafzimmern ihres Hauses am Elsterweg besonders lärmdichte Fenster eingebaut werden. Auf dem Papier funktioniert das. Der Flughafen gibt auch seinen Kostenanteil dazu. In Eigenarbeit wurde ein Zimmer für den Umbau entkernt. Doch dann erteilte die von Familie Meyer beauftragte Fensterbaufirma in letzter Sekunde die Absage: Mit dem Flughafen mache sie nichts. Der Hintergrund für diese verfahrene Situation ist vielschichtig. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich, dass die Teilnahme am freiwilligen Schallschutzprogramm des Flughafens in der Regel vor allem Geduld erfordert – bei den Hausbewohnern wie auch bei den Buchhaltern der beauftragten Handwerksfirmen. Denn wer Schallschutzfenster vom Flughafen bezahlt bekommen will, setzt mit seinem Antrag einen sehr langen Organisationsablauf in Gang. Der Hauseigentümer hat es gleich mit zwei Ingenieurbüros zu tun, mit dem Flughafen und mit dem Handwerksbetrieb. Dazwischen liegen ein Antrag, eine Schallmessung, wie laut es im Haus tatsächlich ist, ein Hausbesuch des Handwerkers zur Ermittlung des gesamten Arbeitsaufwandes, der Einbau selbst sowie die Bauabnahme. Garniert wird das Ganze von Formularen, die zwischen allen Beteiligten zwischen den einzelnen Bauschritten hin- und hergeschickt werden müssen. Ausschreibungen müssen versandt sowie Angebote eingeholt und überprüft, Termine für die Besuche gefunden werden. Zwangsläufig, und daraus machen weder Michael Staats am Flughafen noch Volker Schuenemann bei dem vom Flughafen beauftragten Ingenieurbüro Bonk-Maire-Hoppmann einen Hehl, müssten die Handwerker verhältnismäßig lange auf ihr Geld warten.
Bauamt gibt Informationen
Die Formulare und die lange Bearbeitungszeit beim Einbau von Schallschutzfenstern führt dazu, dass sich nicht jedes Unternehmen an den Ausschreibungen beteiligt, bestätigen auch mehrere Fensterbaufirmen in Langenhagen unter der Hand. Michael Staats vom Flughafen verweist zudem auf den ausführlichen Leistungskatalog, an den sich die Firmen halten müssen. Zudem sei der Einbau der in der Regel deutlich schwereren Schallschutzfenster zuweilen nicht ganz unkompliziert, da es sich bei den betroffenen Häusern in der Regel um Altbauten mit entsprechend größeren Fenstermaßen handele. Der Flughafen hatte deshalb 2007 zu Beginn seines Schallschutzprogramms Fensterbaufirmen aufgerufen, sich bei nachgewiesener Befähigung in eine Bieterliste eintragen zu lassen. Von damals rund 15 Firmen sind heute nur noch zwölf dabei. Wer das freiwillige Schallschutzprogramm noch nutzen will, kann beim Bauamt der Stadt prüfen, ob sein Gebäude in der berechtigten Zone liegt, und danach bei Staats, Telefon (05?11) 9?77?12?68, oder bei Volker Schuenemann, Telefon (0?51?37) 88?89?50, die Antragsunterlagen anfordern. nea
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 03.03.2010:
Arzt bestätigt die Erfahrungen
Beim Vortrag „Fluglärm und Krankheiten“ im Forum bleiben viele Stühle leer
Unterstützung im Kampf gegen nächtlichen Fluglärm – diese Zusage hat am Freitagabend der Epidemiologe Professor Eberhard Greiser den Bürgerinitiativen gegeben.
VON ANTJE BISMARK
Auftrag des Umweltbundesamtes drei Studien im Umfeld des Flughafens Köln-Bonn durchgeführt, und dabei den Zusammenhang zwischen nächtlichem Fluglärm und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Brustkrebs untersucht. Bislang hat das Umweltbundesamt die Studien veröffentlicht, in naturwissenschaftlichen Publikationen sind sie noch nicht erschienen.
Anhand von Grafiken verdeutlichte Greiser im Forum die ermittelten Daten und fasste das Ergebnis plakativ zusammen: Je lauter der Nachtfluglärm, desto größer die Gefahr einer Erkrankung. Und er sprach mit einer zweiten Kernaussage den Initiatoren des Abends, der Interessengemeinschaft Lärmschutz Südbahn (IG), aus dem Herzen: Passiver Lärmschutz reiche nicht aus, vielmehr brauchten die Anlieger eine ausreichende Kernruhezeit. Dies fand die uneingeschränkte Zustimmung der fast 100 Zuhörer, die Organisatoren hatten mit 350 gerechnet. Schließlich unterstützten unter anderem die Bigum aus Garbsen, die Bürgerinitiative Langenhagen/Krähenwinkel (BI), der Umweltschutzverein Isernhagen und der Grünen-Regionsverband die Veranstaltung.
„Es ist sehr bedauerlich, dass nur so wenige Leute gekommen sind“, sagte Holger Zenz von der IG. Für das fehlende Interesse machte sein Mitstreiter Hellmut Pulwer den Vorabend zum 1. Mai verantwortlich: „Das Datum ist unglücklich gewählt.“ Dabei betrifft das Thema Fluglärm und Krankheiten auch Langenhagen, wie ein Allgemeinmediziner verdeutlichte: „Ich kann die Aussage nur bestätigen, dass Menschen, die unter Fluglärm leiden, mehr Medikamente gegen Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Beschwerden benötigen“, sagte er. Er fügte hinzu: „Oft gibt es auch einen Medikamentenmix, weil unterschiedliche Erkrankungen auftreten.“ Dieser Erfahrung schloss sich Greiser an: „Das deckt sich mit unseren Studien.“
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 03.03.2010:
Greiser empfiehlt Vernetzung

Fluglärm-Gegner sollten sich nicht ausspielen lassen
VON ANTJE BISMARK
Beim Kampf gegen Nachtfluglärm sollten die Anlieger des Flughafens Langenhagen verstärkt auf die Erfahrungen der ortsansässigen Ärzte zurückgreifen, sagte der Epidemiologe Professor Eberhard Greiser bei seinem Vortrag am Freitag. Damit bezog er sich auf Aussagen eines Allgemeinmediziners, der von einer auffallend hohen Zahl an Bluthochdruckund Herz-Kreislauf-Erkrankungen unter seinen Langenhagener Patienten berichtet hatte. „Dafür müssen sie aber auch andere Institute ansprechen“, gab er den Bürgerinitiativen mit auf den Weg und nannte als Beispiel eine Kooperation mit Ärzten der Medizinischen Hochschule, an der er vor mehr als 40 Jahren selbst studiert hatte.
Für Fluglärmgegner wie Frauke Murath stellt sich in der Verbindung von Fluglärm und Umweltmedizin eine Möglichkeit, dem Kampf gegen nächtliche Starts und Landungen eine neue Richtung zu geben. „Denn mit anderen Wegen sind wir gescheitert“, sagte sie und sprach sich für einen Zusammenschluss von Ärzten aus. Denkbar sei auch eine Berechnung, mit wie viel Geld die Folgen des Nachtfluglärms den Etat der Krankenkassen belasteten. „Da fügt es sich doch gut, dass Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler jetzt auch in Isernhagen lebt“, sagte eine Zuhörerin.
Eine klare Absage erteilte Greiser, dessen Studien von Gegnern wegen ihrer Methodik kritisiert werden, dem passiven Schallschutz und ging damit auf Fragen von Zuhörern ein. „Schallschutzprogramme sind Augenwischerei, denn nicht die Fenster, sondern Dächer und Wände sind das Problem“, meinte der Epidemiologe und erntete dafür heftiges Kopfnicken der Zuhörer. Dazu sagte Holger Zenz von der Interessengemeinschaft Lärmschutz Südbahn: „Wir fordern, dass die Nachtflüge in den nächsten drei Jahren auf Null gefahren werden sollten.“ Und mit Blick auf die anwesenden Vertreter der anderen Bürgerinitiativen sagte er, dass sich Anlieger der Nord- und Südbahn nicht gegeneinander ausspielen lassen sollten.
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 19.04.2010:
Die Lärmschutzzonen passen nicht perfekt
Physiker: Berechnungsart für Fluglärm schützt Schlaf nicht optimal
Laut einer Studie des Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sind die Berechnungsformeln für die Schallschutzzonen rund um Flughäfen nicht optimal. Ein DLR-Vortrag am Flughafen machte aber auch deutlich: Für Langenhagen ist dies rechtlich nicht von Bedeutung
VON REBEKKA NEANDER
Langenhagen. Wie oft wachen Anwohner des Flughafens Köln-Bonn nachts auf, weil ein Flugzeug über sie hinwegfliegt? Und wie laut muss es sein, damit ein Schläfer davon wirklich wach wird? Diesen Fragen ist das Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin am DLR zwischen 1999 und 2004 nachgegangen. Die aufwendige Methodik, die das DLR dafür verwandte, gilt bis heute als weltweit nahezu einmalig. Das Bundesverwaltungsgericht stufte die Studie als verwertbar ein. Allerdings nur für den 2004 zum Frachtstützpunkt ausgebauten Flughafen Leipzig-Halle. Drei Forderungen des DLR stellte der DLR-Physiker Uwe Müller am Freitagabend beim Bürgerforum Pro Hannover-Airport vor: Im Durchschnitt dürften Anwohner pro Nacht nicht mehr als einmal zusätzlich aufwachen. Um erinnerbares Aufwachen zu vermeiden, darf es pro Nacht nur einmal lauter als 65 Dezibel im Zimmer werden. Weil das Wiedereinschlafen am frühen Morgen schwieriger ist, müssen bei der Berechnung alle Lärmereignisse der zweiten Nachthälfte mit einem Aufschlag von 1,4 Dezibel rechnerisch belastet werden. Die Verwendung dieser Kriterien hatte einen beachtlichen Ausschlag: Die Studie wurde zur Grundlage für das Planfeststellungsverfahren für den Ausbau des Flughafens Leipzig-Halle. Dessen Schallschutzzone wuchs daraufhin um 30 Prozent. In Schallschutzzonen, wie auch am Flughafen Langenhagen, bekommen Anwohner Zuschüsse für Fenster- und Wanddämmungen. Müller erläuterte, dass die beiden bislang bundesweit angewandten Berechnungsformeln zum Dauerschallpegel und den maximal sechs lautesten Lärmereignissen nicht optimal seien. Für den Flughafen Langenhagen ließen sich die DLR-Berechungsformeln theoretisch anwenden. Allerdings wäre dies rechtlich nur wirksam, wenn für Langenhagen ein neues Planfeststellungsverfahren eröffnet werden würde. Für das derzeit in den Endzügen liegende Fluglärmgesetz könnten die Erkenntnisse hingegen nicht genutzt werden.
Bericht in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 13.03.2010
Aus für Bürgerinitiative gegen Fluglärm
"Auf verlorenem Posten"
Von Rebekka Neander UND BERND HAASE
Ausgerechnet in der Flughafenstadt Langenhagen steht die Bürgerinitiative (BI) gegen Fluglärm vor dem Aus. Grund ist Frust: „Solange die Politik nicht für uns da ist, stehen wir auf verlorenem Posten“, sagte die Vorsitzende Frauke Murath. Sie und der übrige Vorstand hatten sich nicht zur turnusmäßigen Wiederwahl gestellt. Weil es keine Nachfolger gibt, wird die Initiative vermutlich im Mai ihre Auflösung beschließen. Mitte der neunziger Jahre stieg am Flughafen Hannover die Zahl der Nachtflüge stark an. Als Reaktion gründete sich 1995 die Bürgerinitiative in Langenhagen auf Betreiben Muraths. Die energische frühere Lehrerin wohnt im besonders vom Fluglärm betroffenen Langenhagener Ortsteil Krähenwinkel. Gemeinsam mit der fast zeitgleich formierten Bürgerinitiative in Garbsen und dem Umweltschutzverein Isernhagen arbeiten die Langenhagener im Arbeitskreis Fluglärm zusammen. Zwar hat der Flughafen in der Folgezeit zwei millionenschwere Schallschutzprogramme für Anwohner aufgelegt, aber ihr Hauptziel haben die Initiativen nicht erreicht: Den Nachtflugverkehr in Langenhagen zu unterbinden oder zumindest einzuschränken. Erst kürzlich hat das Wirtschaftsministerium die Betriebserlaubnis für den Flughafen für zehn Jahre verlängert und dabei weiterhin 24-Stunden-Betrieb erlaubt. In Langenhagen gibt es seit 2008 mit der IG Lärmschutz eine zweite Bürgerinitiative, die vor allem nächtlichen Flugverkehr auf der derzeit noch gesperrten Südbahn verhindern will. Dieser läuft allein über die Nordbahn, in dessen Einflugschneise Krähenwinkel liegt. Deshalb kam ein Zusammenschluss der beiden Gruppierungen nie infrage. Für die BI-Mitglieder, die sich weiterhin engagieren wollen, stehen nun zwei Möglichkeiten zur Debatte. Sie könnten sich der Initiative in Garbsen anschließen. Diskutiert wird aber auch die Gründung einer freien Wählergemeinschaft in Langenhagen, die dann gegen den gesamten Lärm im Stadtgebiet zu Felde ziehen würde. Der wird nicht nur durch den Flugverkehr verursacht, sondern auch durch die Autobahnen 2 und 352 sowie durch die Bahnstrecken Richtung Hamburg.
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 12. 03. 2010
Murath: Ich bin gescheitert
Die Bürgerinitiative Langenhagen-Krähenwinkel gegen Fluglärm steht vor ihrer Auflösung. Die langjährige Vorsitzende Frauke Murath zog am Mittwoch mit dem gesamten Vorstand ein bitteres Fazit: Mit ihrem Ziel, Nachtflüge zu verhindern, liefen sie ohne Unterstützung aus der Politik ins Leere.
 Von Rebekka Neander
Krähenwinkel. „Mein Scheitern werde ich eingestehen. Solange die Politik nicht für uns da ist, stehen wir auf verlorenem Posten.“ Frauke Murath ließ es am Mittwochabend im Dorfgemeinschaftshaus an deutlichen Worten nicht fehlen. Und auch aus ihrer persönlichen Enttäuschung nach 15 Jahren Kampf gegen Fluglärm machte sie keinen Hehl. Trauriger Schlusspunkt sei für sie ein Treffen mit der CDU-Fraktion im Ortsrat am Montag gewesen. „Die wissen überhaupt nicht, was hier passiert“, berichtete Murath. Nach persönlichen Anfeindungen habe sie zum ersten Mal in ihrem Leben eine Sitzung vorzeitig verlassen. Murath hatte sich am Mittwoch mit dem gesamten Vorstand „aus gesundheitlichen wie persönlichen Gründen“ nicht erneut zur turnusgemäßen Wahl gestellt. Weil sich jedoch niemand anderes dafür aufstellen lassen wollte, wird die Bürgerinitiative nun voraussichtlich Ende Mai zu einer Mitgliederversammlung einladen, deren einziges Ziel die Auflösung des Vereines sein wird. Um die Belange der Krähenwinkeler in Sachen Fluglärm weiter zu unterstützen, stehen nun zwei Modelle zur Debatte: Zum einen wollen die Mitglieder der Bürgerinitiative Garbsen und Umgebung (Bigum) beitreten. Zum anderen zeigten einige Bürger großes Interesse, eine freie Wählergemeinschaft zu gründen, um gegen die gesamten Lärmbelastungen der Stadt auch durch den Straßen- und Schienenverkehr vorzugehen. Bürgermeister Friedhelm Fischer (SPD) äußerte gestern auf Nachfrage Verständnis für die Enttäuschung der Bürger. Sei doch ihr großes Ziel, die Nachtflüge zu unterbinden, nicht erreicht worden. Er wies jedoch den Vorwurf zurück, die Politik habe die Bürger alleine gelassen. „Wir haben sehr wohl Stellung bezogen zu den Themen der Bürgerinitiative. Doch das Land entscheidet, nicht die Stadt. Diesen Schuh ziehen wir uns nicht an.“ Der Flughafen wollte den Auflösungsbeschluss der Bürgerinitiative gestern nicht bewerten. Grundsätzlich aber liege ihm, so Sprecher Söhnke Jacobsen, viel am Fortbestehen eines differenzierten Dialoges mit der Bevölkerung. Krähenwinkels Ortsbürgermeister Klaus-Konrad Behrens (CDU) zeigte großes Bedauern über den Verlauf des Treffens am Montag. Er sprach auf Nachfrage von einem unabsichtlichen Eskalieren. Muraths Verdienste seien unbestritten: „Eines steht fest: Die Fenster, wie wir sie vom Flughafen bekommen haben, hätte es in diesem Maße ohne Frau Murath nie gegeben.
Bericht im Spiegel (Nr. 51/2009, 14.12.2009:

Bericht aus der Nordhannoverschen Zeitung vom 23.03.2007 vom 25. Isernhagener Umweltgespräch mit Prof. Dr. Greiser

Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 30.11.2009:
Leserbrief von Dietmar Sommerfeld zu den vorstehenden Artikel in der Nordhannoverschen Zeitung vom 04.12.2009:
Anwohner werden nicht berücksichtigt
Die Blauäugigkeit des Bürgerforums Pro Hannover Airport ist schon unglaublich! Es werden 100 Millionen EURO in den Flughafen investiert, das World Cargo Center wird außerdem noch geplant. Herr Hille verkündet stolz, dass Hannover die Nummer 1 im deutschen Nachtflug für die Post ist. Da alle anderen Flughafen nachts schließen, ist Hannover automatisch die Nummer 1! Wer an nur zwei zusätzliche Nachtflüge pro Woche glaubt, hat die Sicht für die Realität verloren.
Die neue Betriebsgenehmigung ist ja im Prinzip die alte Betriebsgenehmigung. So wird sich der Fluglärm in der Nacht noch erhöhen.
Herr Bernd R. Speich braucht sich nur noch Gedanken darüber zu machen in welchem Winkel die Flugzeuge starten und landen, um den Lärm entsprechend zu verteilen. Das Bürgerforum Pro Hannover Airport unterstützt diesen gesundheitsschädlichen Fluglärm. Das Wirtschaftsministerium muss dann kein schlechtes Gewissen haben und kann rücksichtslos die Betriebsgenehmigung verlängern. Dann aber gleich für 10 Jahre, damit der Lärm auch garantiert wird. Dieses sind Entwicklungen, die man auf keinem anderen Flughafen in Deutschland beobachten kann. Im Punkt "Rücksicht auf die Bürger" sind wir wieder einmal das Schlusslicht der Nation.
Bericht in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 08.08.2009:
Weil: Kein Lärmschutzbedarf
Garbsens Bürgermeister will Gespräch zu Nachtflügen

In der Debatte um eine neue Nachtflugregelung für Langenhagen hat sich Oberbürgermeister Stephan Weil jetzt auf die Seite der Flughafengesellschaft geschlagen. Auf die Bitte des Garbsener Bürgermeisters Alexander Heuer, sich für mehr Lärmschutz einzusetzen, sagte Weil, dass es bereits ein ausreichendes Schallschutzprogramm gebe. Zudem betonte der Oberbürgermeister die wichtige Rolle des Flughafens für die Wirtschaft in der Region. „Auch die Stadt Garbsen wirbt ja mit exzellenter Verkehrsanbindung“, sagte Weil.
Heuer versucht indes, auch auf das niedersächsische Wirtschaftsministerium einzuwirken. In einem Brief an Minister Philipp Rösler fordert er eine Anhörung, bevor die Nachtflüge neu geregelt werden. „Wir befürchten, dass ohne vorherige Erörterung mit den betroffenen Kommunen eine luftverkehrsrechtliche Entscheidung vorbereitet und getroffen wird“, schreibt der Garbsener Bürgermeister.
Nach Heuers Vorstellung sollen an der Anhörung kommunale Vertreter aus Garbsen, Langenhagen, Isernhagen sowie die Fluglärmkommission und eine Bürgerinitiative teilnehmen. Die Kommunen wollen unter anderem durchsetzen, dass nachts zwischen 22 und 6 Uhr nur Flugzeuge starten und landen dürfen, die im Jahr 2006 festgelegte, verschärfte Lärmwerte nicht überschreiten.

sok

Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 05.08.2009:
Fluglärm: Entscheidung nach einer Anhörung treffen
Alexander Heuer warnt Ministerium vor einem einsamen Beschluss

GARBSEN/REGION. Das Wirtschaftsministerium soll seine Entscheidung über eine neue Nachtflugregelung für Langenhagen erst nach einer Anhörung fällen. Einen Brief mit dieser Forderung hat Garbsens Bürgermeister Alexander Heuer an den niedersächsischen Wirtschaftsminister Philipp Rösler geschickt. „Aufgrund der uns bekannten Genehmigungspraxis Ihres Hauses befürchten wir, dass auch diesmal ohne vorherige Erörterung mit den betroffenenen Kommunen eine luftverkehrsrechtliche Entscheidung vorbereitet und getroffen wird“, schreibt Heuer.
Außer Garbsen hatten auch Langenhagen, Isernhagen und Neustadt die geplante Neuregelung abgelehnt, die aus ihrer Sicht keine großen Fortschritte für die lärmgeplagten Anwohner bringt. Nach Heuers Vorstellung sollten außer diesen Städten auch der Flughafen, die Fluglärmkommission und die Bürgerinitiative bei der Anhörung vertreten sein. Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil hat unterdessen auf Heuers Forderung, sich als Gesellschafter der Flughafengesellschaft mehr für den Lärmschutz einzusetzen, reagiert. Weil verweist unter anderem auf das existierende Schallschutzprogramm und betont die wichtige Rolle des Flughafens für die Wirtschaft in der Region. „Auch die Stadt Garbsen wirbt mit der exzellenten Verkehrsanbindung“, sagt er.

sok

Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 21.07.2009:
Gegner des Nachtflugs im Aufwind
Infotreff ist am 29. Juli im CCL-Heim
Die Interessengemeinschaft Lärmschutz Südbahn erkennt eine mehrheitlich getragene Ablehnung gegen die Nachtflugregelung. Die Fluglärmgegner haben Sorge, dass diese über 2009 hinaus verlängert werden könnte, so wie es das Wirtschaftsministerium
vorsieht.
VON STEFAN KOHL
LANGENHAGEN. Holger Zenz, Sprecher der Interessengemeinschaft Lärmschutz Südbahn, sieht sämtliche vom Fluglärm rund um Langenhagen betroffenen Kommunen, drei weitere Bürgerinitiativen, den Bund für Naturschutz Deutschland (BUND) und die Bundesvereinigung gegen Fluglärm auf seiner Seite. „Die Weiterführung des bisherigen Nachtflugbetriebs gilt als gesellschaftlich nicht akzeptabel, sodass eine deutliche nächtliche Lärmminderung gefordert wird“, fasst er die ihm vorliegenden Stellungnahmen von Kommunen und Verbänden zusammen.
Die Bürgerinitiativen fordern ein grundsätzliches Nachtflugverbot. „Die gesundheitsschädliche Wirkung des Nachtfluglärms darf nicht zugunsten der noch nicht einmal bewiesenen Wirtschaftsvorteile der Flughafengesellschaft ignoriert werden“, sagt Zenz. Die Flugbewegungen ließen sich auch problemlos tagsüber abwickeln, ist sich der Sprecher sicher.
Er sieht auch die öffentlich-rechtlichen Mehrheitseigentümer des Flughafens, das Land und die Stadt Hannover, in der Verantwortung. Diese sollten dem Flughafenmanagement vermitteln, dass sich der Standort Langenhagen nicht für einen Nachtflughafen eignet. Jetzt ist erst einmal das Niedersächsische Wirtschaftsministerium gefragt, das bis zum Jahresende über eine Weiterführung der Nachtflugerlaubnis und deren Ausgestaltung am Standort Langenhagen entscheiden muss.
Zum Erfahrungsaustausch treffen sich die Gegner des Nachtflugbetriebs am Mittwoch, 29. Juli, um 19 Uhr im CCL-Klubheim, Leibnizstraße 56, in Langenhagen
Leserbrief von Wilfried Berge, Hannover zu dem Bericht "Streit um Fluglärm spitzt sich zu"  der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 02.07.2009:
Zu viele Nachtflüge
Hier der Originaltext, der auch Oberbürgermeister Stephan Weil zugegangen ist

Nachtflugerlaubnis für den Flughafen
Garbsens Bürgermeister fordert zu recht von Oberbürgermeister und Rat der Stadt Hannover mehr Engagement in Sachen Lärmschutz am Flughafen. Nicht nur als Miteigentümerin des Flughafens, sondern auch im Rahmen der Fürsorgepflicht für ihre Bürger trifft die Stadt eine eigene Verantwortung, für eine Verbesserung der Lärmsituation zu sorgen. Die Bewohner des nördlichen Teils von Isernhagen-Süd leiden wie die Bürger der Umlandgemeinden Langenhagen, Garbsen und Isernhagen unter der zunehmenden Lärmbelastung. Sie beklagen eine Minderung der Wohn- und Lebensqualität sowie eine Entwertung der Grundstücke in diesem angeblich bevorzugten Wohngebiet. Besonders belastend sind die ständig zunehmenden nächtlichen Flugbewegungen. Die Stadt hat diesen Ortsteil 1974 nach Hannover eingemeindet - gegen den Willen der Mehrheit der Bewohner. Sie kann heute nicht so tun, als ginge sie das alles nichts an. Vor jedem Ablauf der Lizenz hört man von der Flughafenleitung unsubstantiiertes Gejammer über die schlimmen Auswirkungen bei Wegfall der Lizenz. Beim letzten Mal musste die angeblich in Aussicht stehende Ansiedlung der Posttochter DHL mit 1000 zusätzlichen Arbeitsplätzen als Begründung für die Verlängerung der Erlaubnis herhalten. Nachdem das zuständige Wirtschaftsministerium die Erlaubnis erteilt hatte, ging DHL nach Leipzig(!). Überhaupt erscheint doch das Ministerium insofern befangen, als es die Entscheidung hierzu praktisch in eigener Sache trifft.
Es ist schließlich keineswegs nachvollziehbar, warum nur der hiesige Flughafen eine derart großzügige Nachtfluglizenz benötigt, die unter allen deutschen Flughäfen einmalig ist. Anderswo geht es ja auch solche Instrumentarien.
 

Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 25.06.2009:
Bundesverfassungsgericht soll vor Fluglärm schützen
Anwohner fordern bundeseinheitliche Nachtflugregelung
VON ANTJE BISMARK
LANGENHAGEN. Der Bund ist nach Einschätzung von Hellrnut Pullwer für die Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse zuständig - und muss deshalb auch für eine bundeseinheitliche Nachtflugregelung sorgen. Diese Forderung erhebt der Langenhagener, der am Reuterdamm lebt und massive gesundheitliche Schäden wegen des nächtlichen Fluglärms fürchtet.
Deshalb plant Pullwer gemein- sam mit anderen Betroffenen aus Langenhagen, Isernhagen und Garbsen den Gang vors Bundesverfassungsgericht, um den aus ihrer Sicht dringend notwendigen Schutz vor nächtlichem Fluglärm zu erzielen. Um dies zu erreichen, schlägt Pullwer in seinem Klageentwurf unter anderem ein absolutes Flugverbot zwischen 0 und 4 Uhr, den Einsatz von Flugzeugen mit sehr leisen Triebwerken und passive Schallschutzmaßnahmen vor. Außerdem spricht er sich für eine Entschädigung der Immobilienbesitzer aus, die eine Wertminderung ihrer Häuser hinnehmen müssten, und für eine gleichmäßige Verteilung der Lasten im Bundesgebiet aus.
Seinen Entwurf hat Pullwer an Bürgermeister Friedhelm Fischer und die Fraktionschefs geschickt. Er begründet in dem offenen Brief die Klage gegen den Bund und das Land Niedersachsen damit, dass der Flughafen den Nachtflugverkehr massiv ausweiten will und dabei das Bundesgesetz zum Schutz der Bürger vor Fluglärm aus dem vergangenen Jahr anwendet. "Dieses Gesetz widerspricht den demokratischen Spielregeln", sagt Pullwer, weil es Eingriffe zulasse, die die Grundrechte der Bürger massiv verletzen. Hinzu komme, dass das Land die Nachtflugregelung genehmige - obwohl es eigene . wirtschaftliche Interessen vertrete.
Bericht in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 24.06.2009:
Streit um Fluglärm spitzt sich zu
Nach Isernhagen protestieren nun auch Langenhagen und Garbsen / „Es muss leiser werden“
VON BERND HAASE
Die Städte Langenhagen und Garbsen haben die künftige Nachtflugregelung am Flughafen kritisiert und das Wirtschaftsministerium zu Nachbesserungen aufgefordert. „Es muss leiser werden, sonst entsteht dauerhafter Frust bei den Bürgern“, sagt Langenhagens stellvertretender Bürgermeister Dirk Musfeldt (Grüne). Der Flughafen will aus wirtschaftlichen Gründen möglichst wenig Einschränkungen.
Die vorhandene Betriebsgenehmigung für den Flughafen läuft Ende des Jahres aus und muss verlängert werden. Das Ministerium, dem Bürgerinitiativen grundsätzlich Flughafenhörigkeit unterstellen, hat im Frühjahr einen Entwurf vorgelegt, zu dem nun die Anrainer Stellung nehmen. Gegenüber der bestehenden Regelung sind nur marginale Änderungen vorgesehen – Flugzeuge könnten in Langenhagen im Gegensatz zu den meisten anderen deutschen Flughäfen weiter rund um die Uhr starten und landen. „Durch den Entwurf erwarten wir keine Auswirkungen auf Passagierflüge, sondern lediglich welche für die lauteren Frachtmaschinen. Wir könnten deshalb mit ihm leben“, sagt Stefanie Vehling, Umfeldbeauftragte des Flughafens und zuständig für den Lärmschutz.
In den Städten, in denen Bürgermeister und Politiker von Initiativen und lärmgeplagten Bürgern in die Pflicht genommen werden, sieht man die Sache anders. Die Räte in Langenhagen und Garbsen sind mit ihren Beschlüssen jetzt dem Beispiel Isernhagens gefolgt. Damit wenden sich die drei Hauptanliegerkommunen mit zusammen 140 000 Einwohnern gegen den Entwurf, den Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) vorgelegt hat. Die Stellungnahme Langenhagens, immerhin Hauptprofiteur der Wirtschaftskraft des Flughafens, fiel schärfer aus als je zuvor und wird von allen Ratsfraktionen mit Ausnahme der FDP getragen.
Die Städte fordern, dass zwischen 22 und 6 Uhr nur Flugzeuge starten und landen dürfen, die im Jahr 2006 festgelegte, verschärfte Lärmwerte nicht überschreiten. Zwischen 1 und 5 Uhr sollen nicht mehr als sechs Flüge zugelassen werden. Derzeit liegt der Durchschnitt bei mehr als 30 pro Nacht. Die vorgesehene Betriebserlaubnis soll nicht, wie vorgesehen, zehn Jahre laufen, sondern nur fünf. „Sonst können technische Entwicklungen nicht angemessen berücksichtigt werden“, sagt Musfeldt. Die Langenhagener wünschen sich, dass mehr Nachtflüge über die Südbahn abgewickelt werden. Sie ist derzeit für diesen Zweck gesperrt.
Der Flughafen lehnt Einschnitte ab und weiß dabei den hannoverschen Rat hinter sich. Zur Begründung dient unter anderem ein Gutachten des Wirtschaftswissenschaftlers Lothar Hübl, der bei einem Nachtflugverbot den Verlust von mehr als 2000 Arbeitsplätzen in der Region prognostiziert. Dieses Gutachten hält man in den Städten für irrelevant: „Von einem totalen Nachtflugverbot in Langenhagen war bei uns nie die Rede. Auswirkungen eines eingeschränkten Verbotes sind nicht untersucht worden“, heißt es in der Garbsener Stellungnahme. Wirtschaftsminister Rösler wurde von Langenhagener Politikern vorgeworfen, er „ducke sich weg.“ Gestern ließ er mitteilen, er werde nicht Stellung beziehen, bis alle Stellungnahmen eingetroffen seien.
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 24.06.2009:
Rat stimmt für weniger Lärm
Hitzige Debatte mit Anwohnern über Nachtflüge, Messungen und Schallschutz
Mit den Stimmen von SPD, CDU und Grünen hat der Rat am Montagabend eine Stellungnahme zur geplanten Nachtflugregelung beschlossen. Darin geht es um die Verringerung von Lärm.
VON ANTJE BISMARK
LANGENHAGEN. Stück für Stück soll der Flughafen den nächtlichen Lärm reduzieren – das ist die Kernforderung der Stellungnahme. Dabei schlagen die Fraktionen unterschiedliche Wege vor: die Ausnutzung aller technischen Möglichkeiten bei den Flugzeugen, passiver Schallschutz, die nachhaltige Kontrolle der Lärmdaten und ein nachbarschaftlicher Dialog zwischen Flughafen, Stadt und Anwohnern.
Zugleich betonten Wolfgang Langrehr (SPD) und Reinhard Grabowsky (CDU), dass der Flughafen ein entscheidender Wirtschaftsfaktor für Langenhagen und die Region ist. „Aber wir dürfen den Schutz der Anwohner nicht unberücksichtigt lassen“, sagte Grabowsky. Grünen- Fraktionschef Dirk Musfeldt sagte: „Der Frust in den Umlandgemeinden ist hoch, weil die Stellungnahmen in der Hutablage landen.“ Er fordere deshalb: „Herr Rösler, geben Sie uns die Nachtruhe zurück!“
Die FDP-Fraktion lehnte die Stellungnahme in allen Punkten ab. Fraktionschef Bernd Speich verwies vielmehr auf die Vorlage des Ministeriums, die Nachtflugregelung bis 2019 zu verlängern. Mit Blick auf den Lärmaktionsplan betonte Speich, dass die von Autos verursachten Belastungen an einigen Straßen den Fluglärm um das 2,5-Fache übersteige.
Viele Anlieger verfolgten die Debatte und forderten eine klare Aussage über die künftigen Belastungen an der Nord- und der Südbahn. Wie wichtig der Dialog ist, hob Heite Stünkel hervor: „Seit Monaten leiden wir unter zunehmenden Verwirbelungen, das geht einfach nicht.“ Holger Zenz forderte eine massive Lärmreduzierung: „Wir brauchen verbindliche Aussagen von den Politikern.“
Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 22.06.2009:
Rat befasst sich mit Fluglärm
Nachts sollen weniger, aber vor allem leisere Maschinen starten und landen dürfen.
Der Flughafen soll den Fluglärm in der Nacht über Wohngebieten wirksam verringern. Dies fordern SPD, CDU und Bündnisgrüne in einer gemeinsamen Stellungnahme zur Nachtflugregelung.
VON ANTJE BISMARK
LANGENHAGEN. Heute Abend befasst sich der Rat mit dem Fluglärm bei Nacht. Angesichts der großen Einmütigkeit – nur die FDP empfiehlt einen anderen Weg – dürfte einer Zustimmung zu der Stellungnahme nichts im Wege stehen.
Vor fünf Jahren entschied das niedersächsische Wirtschaftsministerium als Genehmigungsbehörde über die Regelung noch ohne einen Langenhagener Kommentar: Die Politiker konnten sich seinerzeit nicht einigen.
Nun fordert die Langenhagener Politik als Zielsetzung, dass die Werte der neun Messstationen rund um den Flughafen künftig nicht mehr die Durchschnittswerte aus dem Jahr 2008 überschreiten dürften. Darüber hinaus müssten ab dem Jahr 2011 auf drei Jahre gerechnet die Werte jährlich um 0,5 Dezibel (dB A) im Vergleich zum Vorjahr sinken. Um das zu erreichen, dürfen aus Sicht der drei Fraktionen künftig nur noch leisere Maschinen mit Strahlturbinenantrieb in den Nachtstunden starten und landen. Zur Lärmminderung diene auch ein Vorschlag aus der Fluglärmkommission, die Starts und Landungen zwischen 1 und 5 Uhr auf fünf bis sechs Flugbewegungen zu beschränken. Dabei sollten die ansässigen Homecarrier bevorzugt werden.
Die künftige Nachtflugregelung hat im Vorfeld sowohl die Interessengemeinschaft Lärmschutz, die sich speziell um Anlieger der Südbahn kümmert, und die Bürgerinitiative Langenhagen-Krähenwinkel, deren Augenmerk auf der Nordbahn liegt, auf den Plan gerufen. Gerade Letztere erhalten jetzt Unterstützung von SPD, CDU und Grünen. Sie sprechen sich dafür aus, dass die Reduzierung des Lärms die bisher überproportionale Belastung der Nordbahnanwohner verringern sollte. Die Ratssitzung beginnt heute um 18 Uhr im Ratssaal. Vor und nach der Beratung können Einwohner der Verwaltung und den Politikern ihre Fragen stellen.
Kommentar in der Nordhannoverschen Zeitung vom 04.06.2009:
Gesundheitsschutz: Nachts muss Ruhe herrschen
Nächtliche Starts und Landungen sollten eingeschränkt werden
VON THOMAS TSCHÖRNER
Geradezu froh können die Isernhagener darüber sein, dass die Gemeindeverwaltung tatsächlich ihre Interessen vertritt. So gibt es eine gut formulierte Stellungnahme zur neuen Nachtflugregelung, in deren Kern ein Nachtflugverbot zwischen 0 und 5 Uhr gefordert wird.
Damit bleibt die Verwaltung zwar hinter den Forderungen des Umweltschutzvereins zurück, der nächtliche Starts und Landungen zwischen 22 und 6 Uhr verbieten lassen will. Aber immerhin: Die Kommune nimmt sich des Themas an und kümmert sich darum. Dies ist durchaus keine Selbstverständlichkeit: In der Nachbarstadt Langenhagen reden Politik und Verwaltung nur ungern über das unangenehme Thema, eine Stellungnahme der Stadt liegt noch nicht vor.
Befürworter der 24-Stunden- Betriebsgenehmigung führen gern das Argument der Arbeitsplätze und des wirtschaftlichen Erfolgs ins Feld. Nur: Andere Flughäfen in Deutschland sind trotz Nachtflugverbots wirtschaftlich erfolgreich, teilweise sogar deutlich erfolgreicher als Langenhagen.
DAS THEMA
Die Zahl der Nachtflüge ist in Langenhagen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Während andernorts der Schutz der Anwohner von Flughäfen vor allem in den Nachtstunden berücksichtigt worden ist, sind Langenhagener, Isernhagener und Garbsener nächtlichen Starts und Landungen schutzlos ausgeliefert. Neuere Bestimmungen, wie etwa die Verpflichtung zum Aufstellen eines Lärmaktionsplanes, sind bislang ignoriert worden. Es ist deshalb höchste Zeit für ein Nachtflugverbot, um die Gesundheit der Anwohner zu schützen.
Ein wenig erinnern die Wehklagen des Flughafens Langenhagen an die deutsche Autoindustrie. Diese sah sich zunächst auch außerstande, einen Katalysator und später dann den Rußpartikelfilter für Dieselmotoren einzuführen, als dies etwa den Franzosen schon längst möglich war. Erst öffentlicher Druck hat dann – oh Wunder – die Industrie umdenken lassen, mit Erfolg.
Bei der Neufassung der Nachtflugregelung ist von Kreativität wenig zu spüren. Kreativität wäre aber notwendig, um den Flughafen weiterhin attraktiv zu machen. Denn auch für die Passagiere sind nächtliche Flüge eine Zumutung.
Was hat ein Urlauber davon, morgens um 7 Uhr am Zielort zu sein, wenn er noch Stunden warten muss, bis er in sein Zimmer kann? Und es ist auch keine tolle Sache, erst nachts nach Hause zu fliegen, wenn das Hotelzimmer bereits mittags geräumt werden musste.
Im Sinne von Anwohnern und Kunden ist deshalb eine Beschränkung der Nachtflüge auf das Allernotwendigste längst überfällig.


Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom
29.05.2009:

Gremium verschärft Stellungnahme
Ausschuss will siebenstündiges Flugverbot – Gleichmäßigere Verteilung zwischen Nord- und Südbahn gefordert
Flugverbot von 23 bis 6 Uhr: Ein Fachausschuss des Isernhagener Rates hat die Stellungnahme der Verwaltung zur künftigen Nachtflugregelung weiter verschärft.
VON SEBASTIAN HARFST

ISERNHAGEN. Geht es nach den Mitgliedern des Umwelt-, Planungs- und Bauausschusses, ist der Himmel über Isernhagen bald zwischen 23 und 6 Uhr frei. Um die Lärmbelastung der Bürger zu verringern, hat das Gremium die Stellungnahme der Verwaltung zur neuen Nachtflugregelung des Flughafens Langenhagen am Mittwochabend noch erweitert. In der Ausgangsvorlage war ein Flugverbot von null bis fünf Uhr vorgesehen. „Wir müssen möglichst maximale Forderungen stellen“, begründete Ausschussmitglied Fabian Peters (Grüne) das Vorgehen. Nur so falle für die Bewohner der Gemeinde überhaupt etwas ab. Die sogenannten Randzeiten, in denen nur eingeschränkt Flugzeuge starten und landen sollen, verringert sich so auf den Zeitraum von 22 bis 23 Uhr.
Heinrich Burchard (CDU) pochte darauf, dass die Gemeinde ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2008 in ihrer Stellungnahme heraushebt. Die Richter untersagten den Nachtflugbetrieb bei fehlendem Bedarf am Flughafen Leipzig-Halle zwischen 0 und 5 Uhr. „Das ist ein echtes Pfund“, sagt Burchard. Weiterhin fordert der Ausschuss eine möglichst gleichmäßige Verteilung der Flüge zwischen Nord- und Südbahn. Momentan sei die Südbahn zwischen 0 und 4.59 Uhr gesperrt, weil es noch keine Schallschutzmaßnahmen für die Anwohner gebe, sagte Stefanie Vehling, beim Flughafen zuständig für Nachtflüge. Die Lokalpolitiker sehen in der ungleichen Verteilung eine zu große Belastung beispielsweise der Hohenhorster.

 

Bericht in der Nordhannoverschen Zeitung vom 27.05.2009:

Verein übt scharfe Kritik am Entwurf des Ministeriums

VON THOMAS TSCHÖRNER
ISERNHAGEN. Der Umweltschutzverein in Isernhagen und Umgebung fordert zwischen 22 bis 6 Uhr ein Nachtflugverbot für den Flughafen Langenhagen. Gleichzeitig übt der Verein scharfe Kritik am Entwurf des Verkehrsministeriums zur neuen Nachtflugregelung für den Flughafen. „Wir stellen fest, dass das Konzept wiederum in keiner Weise die gesundheitlichen Belange der Einwohner Isernhagens berücksichtigt, und zwar weder durch aktiven noch ausreichenden passiven Schallschutz“, teilt der Verein mit. Entgegen der Feststellung aus der letzten Nachtflugregelung, dass zehn Jahre zu lang waren, soll die neue Genehmigung erneut für zehn Jahre gelten.
Der Umweltschutzverein betont, dass bei der Neuregelung neue Erkenntnisse auch nicht annähernd berücksichtigt würden. So werde unterstellt, dass ein sechsmaliges Aufwachen pro Nacht, verursacht durch einen Maximalpegel von mehr als 60 Dezibel, nicht gesundheitsschädlich sei. Dieser aus den sechziger Jahren stammende Wert sei durch neue Studien widerlegt, die eine Aufwachschwelle von 32 Dezibel ergeben hätten. Nicht ausreichend ist nach Einschätzung des Vereins auch der passive Lärmschutz: Beim Schallschutzprogramm von 1996/1998 sei nur bei 230 (neun Prozent) von 2700 Häusern das Dach gedämmt worden. Die Umweltschützer loben den Hamburger Flughafen, der trotz strenger Nachtflugbeschränkung im Jahr 2007 einen Gewinn von rund 48 Millionen Euro abgeführt habe. Dagegen versuche der Flughafen Langenhagen die Zahl der Nachtflüge bis 2020 auf durchschnittlich fast 50 pro Nacht zu steigern.